Schwäbische Alb: 100 Shades of Blue am Blautopf

by Antje Gerstenecker
Mühle am Blautopf

Kristallklares, leuchtend blau schimmerndes Wasser – so sehen Urlaubsträume aus. Tatsächlich befindet sich der blaueste See, den ich je gesehen habe, gar nicht weit weg – zumindest wenn man in Süddeutschland wohnt.

Die Blau entspringt am Blautopf

Am östlichen Rand der Schwäbischen Alb, gar nicht weit von Ulm, findet man das blaue Paradies. In Blaubeuren, gleich hinter der Kirche, befindet sich der Blautopf – die zweit-wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Hier entspring die Blau – ein Flüsschen, das 22 Kilometer weiter in die Donau fließt. Entgegen ihres Namens ist die Blau ein ganz normaler Fluss, nicht blauer als andere Flüsse.

Kind am Blautopf

Der Blautopf leuchtet schon von weitem und zieht Besucher unweigerlich in seinen Bann

Blick über den Blautopf und die Blau

Aus der riesigen Karstquelle entspringt die Blau, die einige Kilometer weiter in die Donau fließt

100 Shades of Blue und ein geheimnisvolles Höhlensystem

Doch ihre Quelle leuchtet – je nach Wetter – in beeindruckend leuchtendem Blau in allen möglichen Schattierungen. Am schönsten natürlich bei Sonnenschein.

Der Blautopf ist der Eingang zu einem weitläufigen Höhlensystem, das jedoch ausschließlich erfahrenen Höhlentauchern mit einer Sondergenehmigung vorbehalten ist. Der Höhleneingang zur Blautopfhöhle liegt 21 Meter unter der Wasseroberfläche und ist entsprechend schwer zu erreichen. Die ersten 1200 m der Blautopfhöhle sind mit Wasser gefüllt, doch 2006 entdeckten Taucher eine unterirdische “trockene” Halle mit riesigen Ausmaßen. 170 Meter lang und jeweils 50 Meter breit und hoch ist die “Apokalypse”, wie sie von den Tauchern benannt wurde. Bis heute ist das Höhlensystem nicht komplett erforscht und es birgt sicher noch so manches Geheimnis.

Kirche von Blaubeuren spiegelt sich im See

Majestätisch spiegelt sich die Kirche von Blaubeuren im Blautopf

Blick auf den Blautopf

An einem sonnigen Tag macht der Blautopf seinem Namen alle Ehre

Seit Jahrtausenden beflügelt der Blautopf die Fantasie

Die außergewöhnlich leuchtende Quelle zog die Menschen wohl schon seit Jahrtausenden in ihren Bann. Schon vor 40.000 Jahren wohnten Menschen in den Höhlen rund um den Blautopf.

Natürlich gab es zahlreiche Legenden um die geheimnisvolle blaue Quelle. Früher glaubten die Menschen, die Quelle sei bodenlos. Auch glaubte man, dass Nixen in den Tiefen lebten. Die Vermutung, dass die Farbe dadurch entstand, dass jeden Tag ein Fässchen Tinte in die Quelle geschüttet wurden, erwies sich als haltlos. Tatsächlich verdankt der Blautopf sein leuchtendes Blau dem physikalischen Effekt der Lichtstreuung, bei dem nur das blaue Licht gestreut wird.

Eduard Mörike, die schöne Lau und der Zungenbrecher

Der Blautopf inspirierte Eduard Mörike zur “Historie der schönen Lau” – der Geschichte einer Wassernixe, die am Blautopf das Lachen wieder lernte. Aus dieser Geschichte geht auch ein berühmter schwäbischer Zungenbrecher hervor, der schon den Schwaben nicht leicht von der Zunge geht – für Nichtschwaben aber ein schier unüberwindbare Herausforderung darstellt:

“S’leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeura,

glei bei Blaubeura leit a Klötzle Blei”

Mühle am Blautopf

Bilderbuchmotiv: Direkt am Blautopf befindet sich eine Mühle

Ausflug zum Blautopf – Tipps für Besucher:

So ein Juwel wie der Blautopf bleibt natürlich nicht unentdeckt. Schon seit vielen Jahren ist die Quelle bei Blaubeuren ein beliebtes Ausflugsziel und an sonnigen Tagen tut man sich mitunter schwer, einen Parkplatz zu finden. Die Geduld wird dann aber mit einem traumhaften Blick auf die blaueste Quelle Schwabens belohnt!

Wer nicht direkt im Ortszentrum parken möchte, findet etwa 200 Meter entfernt,  kostenlose Parkplätze. Am Blautopf direkt kann man nicht parken – aber er ist von den Parkplätzen in wenigen Minuten erreichbar. Die Quelle selbst ist nicht groß. Auf dem schmalen, kinderwagentauglichen Weg könnte man den Blautopf in wenigen Minuten umrunden. Die Betonung liegt auf “könnte”, denn natürlich braucht man viel länger, weil man alle paar Meter staunend innehält und auf die leuchtend blaue, kristallklare Quelle blickt.

Wer nun auf die Idee kommt, das könnte doch ein idealer Ort für eine kühle Erfrischung sein, wird enttäuscht – an der Quelle herrscht Badeverbot! Erfrischen kann man sich dennoch – im Eiscafé Bof an der Klosterstraße gibt es leckeres Eis – und mitunter lange Schlangen. Aber das Anstehen lohnt sich.

Wenn man schon mal in Blaubeuren ist, kann man auch das Kloster besichtigen, das 1085 vom Grafen von Ruck und Tübingen gegründet wurde (Eintritt 2,50 p/P) und natürlich durch das Städtchen mit seinen hübschen Fachwerkhäusern schlendern.

Der Blautopf selbst kostet keinen Eintritt.

Von April bis Oktober fährt das Blautopf-Bähnle und man kann bei der Panoramatour die Umgebung kennenlernen. Die Touren dauern 75 Minuten und kosten 8 Euro/Erwachsene und 4,50 Euro/Kinder. Familien mit 3 – 5 Kindern zahlen 28 Euro.

Die Touren starten i. d. R. freitags um 14.30 Uhr und 16 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen um 11.00 Uhr, 14.00 Uhr, 15,30 Uhr und 17.00 Uhr.

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