Ein Vorstellungsgespräch in Afrika

by Antje Gerstenecker
Blick auf den Kilimanjaro

Während uns unsere Welt im Moment eine Atempause verordnet und uns dazu verdonnert erst einmal ein paar Gänge zurückzuschalten, ist es Zeit, auch einmal in uns zu gehen. Uns zu überlegen, welche Ziele wir haben, was wir ändern sollten und was uns wirklich wichtig ist.

Es ist aber auch Zeit, Geschichten zu erzählen. Geschichten, von längst vergangenen Zeiten, die wir uns in unseren Herzen bewahrt haben, die uns auch viele Jahre später noch berühren, bewegen oder schmunzeln lassen.

Oft wurde ich gefragt, warum ich meine Geschichten und Erinnerungen aus meiner Zeit in Afrika nicht aufschreibe – vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, dies zu tun.

So möchte ich euch von einer Zeit berichten, die mein Leben geprägt hat. Von einem Leben in einer anderen Welt, in der alles so viel exotischer, bunter, bewegender und intensiver schien, als in meiner Heimat auf der Schwäbischen Alb. Aber auch von einem Leben zwischen den Kulturen – in einem Land, in dem die Kluft zwischen Armut und Reichtum, zwischen Glück und Leid sowie Erwartungen und Ansprüchen oft unüberwindbar schienen.

Ich möchte meine Erinnerungen niederschreiben, die ich durch Tagebücher, Briefe, Fotos und unzählige Gespräche mit Familie, Freunden und Kollegen und natürlich durch meine Gedanken wachhalten konnte. Mag sein, dass die zeitliche Abfolge durcheinander geriet, das eine oder andere Detail verblasst oder dem Vergessen zum Opfer gefallen ist. Die Namen der Personen habe ich geändert.

Bedenkt auch, dass meine Schilderungen auf eine Zeit vor fast 30 Jahren zurückgehen, wo – nicht nur – in Kenia noch vieles anders war, als es heute ist.

Safari Elefant

Safari-Erinnerung

Wie alles begann…

Schon als Kind faszinierten mich ferne Länder und fremde Kulturen. Ich pflegte unzählige Brieffreundschaften über den gesamten Globus verteilt – das war in meiner Schulzeit der wichtigste Grund für mich, Sprachen zu lernen. Die kleinen Einblicke in das Leben meiner Brieffreunde in den verschiedensten Ländern, öffneten Fenster in andere Welten.

Es war einfach nur ein Zufall, dass ich die Stellenanzeige eines Reiseveranstalters entdeckte, der Mitarbeiter in Kenia suchte. Die gesuchten “Tourist Officer” sollten sich vor Ort um die Betreuung der Hotelgäste kümmern, beim Verkauf von Safaris und Exkursionen beraten, administrative Tätigkeiten übernehmen, mehrere Sprachen beherrschen und so weiter.

Kenia – das klang für mich fremd, exotisch und geheimnisvoll. Als Kind liebte ich die Tierdokus “Im Reich der wilden Tiere” und die Serie “Daktari”.  Der Film “Jenseits von Africa” faszinierte mich sehr – doch dorthin zu reisen hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.

Doch diese Zeitungsanzeige ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Ich schrieb meine Bewerbung – die erste Job-Bewerbung meines Lebens – und schickte sie ab, noch ehe ich mir so richtig bewusst machte, was ich da tat.

Ein paar Tage später klingelte das Telefon. Am anderen Ende ein netter Herr des Reiseveranstalters. Er meinte, dass ich eigentlich zu jung für den Job wäre – aber mein Profil ansonsten sehr gut passen würde. Ein paar Fragen wollte er mir gerne stellen: Unter anderem “Ob ich mir wirklich vorstellen könnte, so weit weg von zu Hause zu leben und zu arbeiten?” – “Ob ich einen festen Freund hätte? Oder wie lange meine letzte Beziehung zurück lag?”

Ich war angesichts der Fragen etwas irritiert. Das merkte auch mein Gesprächspartner und erklärte, dass es öfters vorkam, dass sich Bewerber aus Frust oder Liebeskummer auf eine Stelle im Ausland bewarben – und dann feststellten, dass sie doch lieber wieder zurück in ihr altes Leben möchten. “Das ist für uns eine schwierige Situation, denn wir investieren in sie, indem wir Reisekosten, Infotouren und Ausbildungen vor Ort übernehmen. Wir müssen also sicher sein können, dass Sie wirklich für uns arbeiten wollten. Aus diesem Grund verlangen wir eine Konventionalstrafe, sollten sie vor Ablauf von 12 Monaten ihren Vertrag kündigen.”

Zusammen mit der Kündigungsfrist von 3 Monaten müsste ich also mindestens 15 Monate vor Ort sein. “Haben sie denn noch immer Interesse?”, fragte die Stimme? Ich schluckte – so konkrete Gedanken hatte ich mir zu der ganzen Sache noch gar nicht gemacht. Dennoch bejahte ich die Frage. “Gut, dann werden wir das hier besprechen und ich melde mich”, verabschiedet er sich.

Wieder ein paar Tage später klingelte das Telefon erneut. Wieder ist es der Herr des Reiseveranstalter aus der Nähe von Basel. “Wir würden Sie gerne zu einem Vorstellungsgespräch einladen”, eröffnete er das Gespräch. “Wann hätten Sie denn Zeit?” – “Da bin ich ganz flexibel”, antwortete ich. “Morgen hätte ich beispielsweise Zeit, nach Basel zu kommen.”

“Können Sie bitte einen kleinen Moment warten? Ich schau mal nach ob das passt”, antwortet er. Ein paar Minuten später höre ich “Wunderbar – dann fliegen Sie morgigen Freitagabend von Basel nach Mombasa – und am Montag wieder zurück nach München – passt das für Sie?”

Ich war sprachlos – in Mombasa? Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass das Vorstellungsgespräch nicht im Firmensitz bei Basel, sondern direkt in Mombasa stattfinden könnte. Ich hatte keine Ahnung was mich in Kenia erwarten würde – und keine Chance, das in den nicht einmal mehr 24 Stunden bis zu meiner Abreise herauszufinden. Es gab noch kein Internet und ich kannte niemanden, der jemals dort war. Aber meine Abenteuerlust war geweckt…

Kaum hatte ich den Hörer aufgelegt, begann ich mit dem Kofferpacken. Die Vorstellung, dem rauen Winter auf der Schwäbischen Alb – wenn auch nur für ein Wochenende – zu entfliehen und in tropische Gefilde zu reisen, schien unwirklich. Ich kramte die Sommerklamotten ganz hinten aus dem Schrank hervor und überlegte, was ich dort wohl tragen würde. Es gab keine weiteren Informationen, kein Programm – bis auf die das angekündigte Vorstellungsgespräch. Aber auch dazu gab es keinen konkreten Termin und keinen Ansprechpartner. Nur den Hinweis, dass mein Flugticket am Flughafen in Basel hinterlegt sei und ich im Hotel weiteres erfahren würde.

Ob ich mich heute auf so eine Reise ins Ungewisse einlassen würde? Vermutlich nicht. Damals aber vertraute ich darauf, dass schon alles irgendwie klappte und so starteten wir schon am nächsten Tag nach dem Mittagessen zum Basler Flughafen. Meine Mutter fuhr mich, da mein Rückflug nach München ging und ich somit mein Auto nicht am Flughafen stehen lassen konnte. Auf mich wartete eine Reise ins Ungewisse, doch sie machte sich mehr Gedanken als ich…

Mit dem Zebra-Flieger nach Mombasa

In Basel angekommen ging alles sehr schnell. Das Flugticket war tatsächlich am Schalter der Airline des Reiseveranstalters hinterlegt. Ich gab den Koffer auf und verabschiedete mich vor der Sicherheitskontrolle von meiner Mama – und dann war ich auf mich allein gestellt – das Abenteuer konnte beginnen. Vom Fenster aus konnte ich auf das Vorfeld sehen. Dort standen zahlreiche Swissair Maschinen ordentlich nebeneinander aufgereiht. Ganz hinten sah ich ein seltsames Flugzeug – es war im Zebra-Look bemalt und wirkte – im Vergleich zu den anderen – recht, sagen wir mal… exotisch! Ich ertappte mich bei den Gedanken – “Oh Gott, hoffentlich ist es nicht diese Maschine”, obwohl ich gleichzeitig wusste, dass genau dies mein Flieger nach Mombasa sein würde.

Im Gate herrschte allgemeine und gespannte Vorfreude auf den ersehnten Urlaub in Kenia. Aus den Gesprächsfetzen rundum entnahm ich, dass viel nicht zum ersten mal nach Mombasa reisten. Ich beobachtete die Reisenden rundum und stellte fest, dass nicht nur das Flugzeug den Animal-Print-Look trug. Auch viele meiner Mitreisenden trugen Kleidung mit Zebra- und Leopardenmuster. Bei einigen blitzten goldene Ketten mit der Silhouette Afrikas am Hals.

Endlich startete das Boarding. Ich hatte einen Fensterplatz auf der linken Seite und richtete mich einigermaßen gemütlich ein. Wir waren noch nicht in der Luft, als ein Flugbegleiter vorbei kam und fragte, ob ich auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch bin. Als ich bejahe, grinst er und meint: “Na, da bin ich ja mal gespannt…”. Dann starteten wir in den nächtlichen Himmel in Richtung Süden. Auch während des Fluges kam er immer mal wieder auf ein Schwätzchen vorbei, gab mir Tipps und Infos, was ich in Mombasa alles machen könnte. Allein mit den Tipps hätte ich schon einen zweiwöchigen Urlaub bestreiten können.

Während des Fluges hatte ich viel Zeit nachzudenken und mir auszumalen, wie Mombasa wohl sein würde. Mir war klar, dass ich eigentlich schlafen sollte, um am nächsten Tag einigermaßen fit für mein Vorstellungsgespräch zu sein. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Ich blickte aus dem Fenster auf die im dunkeln liegende Erde. Es gab kaum Wolken, doch nach und nach waren immer weniger Lichter zu sehen. Wir flogen über Afrika – hin und wieder waren Feuer zu sehen, ansonsten nur tiefe Dunkelheit.

Langsam setzte die Morgendämmerung ein. Die Ansage des Piloten, dass auf der rechten Seite der Kilimandscharo zu sehen sei, erklärte die plötzlich einsetzende Unruhe im Flugzeug. Rechts wurden die Fensterblenden hochgeschoben und man hörte das Klicken der Kameras und die begeisterten Kommentare der Passagiere, die einen Blick auf den höchsten Berg Afrikas werfen konnten.

Wir waren fast am Ziel – unser Zebra-Flieger senkte sich langsam zur Landung auf dem Flughafen von Mombasa hinab.

Morgendämmerung in einer anderen Welt

Draußen war es noch immer dämmrig. Die Flugzeugtüren wurden geöffnet und augenblicklich war die hohe Luftfeuchtigkeit spürbar. Beim Verlassen des Flugzeugs hatte ich das Gefühl durch eine Wand aus schwerer, feuchtwarmer Luft zu gehen. Das Atmen fiel schwerer – langsam füllten sich meine Lungen mit der tropischen Luft. Ein feuchter Film legte sich über die Haut und die Kleidung und ich hatte das Gefühl im Zeitlupentempo die Stufen hinab auf das Vorfeld zu steigen.

Um mich herum herrschte hektische Betriebsamkeit. Lautstark kommunizierten die zahlreichen Flughafen-Mitarbeiter, die mit der Entladung des Gepäcks beschäftigt waren miteinander. Die Sprache hatte ich zuvor noch nie gehört – vermutlich sprachen sie in der Landessprache Suaheli.

Zu Fuß gingen wir zum Terminal und reihten uns in die lange Schlange vor der Einwanderungsbehörde ein. Jetzt machte sich meine schlaflose Nacht so richtig bemerkbar. Mit jeder Minute begann ich mehr zu schwitzen. Ich fühlte mich unwohl in meinen “Winterklamotten”, die mir auf der Fahrt zum Flughafen so leicht erschienen und ich hatte das tiefe Bedürfnis zu schlafen. Ein kleiner Ventilator in der Ecke kämpfte gegen die drückende schwüle Luft an – vergeblich. Es war kein Luftzug zu spüren. Endlich bekam ich den Einreisestempel in meinen Pass und gelangte zum Gepäckband. Im Vergleich zu den anderen Reisenden, war ich für meinen Wochenendtrip mit leichtem Gepäck unterwegs. So erschien ich den Zollbeamten nicht besonders interessant und konnte die Kontrolle unbehelligt passieren.

Draußen werde ich bereits erwartet. Mein Koffer wird in einen klapprigen Safaribus verladen und ehe ich mich versehe, sind wir schon auf dem Weg zu den Hotels. Es ist noch nicht einmal 7 Uhr morgens, doch auf den Straßen sind schon Scharen von Menschen unterwegs. Nicht mit dem Auto – die meisten gehen zu Fuß. Es scheint also ob ganze Völkerwanderungen rechts und links der Straße unterwegs sind.

Die einen ziehen schwere Holzkarren, andere transportieren riesige Behälter auf dem Kopf. Ich entdecke einen Radfahrer, dessen Rad rundum mit unzähligen Toastbrot-Packungen behangen ist. Ein anderer transportiert mehrere Körbe mit Hühnern. Ziegen suchen am Straßenrand nach irgendetwas zu essen.

Ich öffne das Fenster einen Spalt, in der Hoffnung, dass der Fahrtwind die stickige Luft im Bus etwas kühlt. Die verschiedensten Gerüche drangen in meine Nase. Beissender Rauch, gebratenes Fleisch, Auspuffgase, frittierte Maniokwurzeln und andere nicht identifizierbare Duftquellen wechselten sich ab. Plötzlich füllte ein bestialischer Geruch den Bus – schnell schloss ich das Fenster. Der Fahrer lacht und deutet rechts auf den Hügel: “Dort ist die Müllverbrennungsanlage – das stinkt fürchterlich, nicht wahr?” Unser Bus rumpelt über einige Bodenwellen – ausgerechnet hier müssen wir besonders langsam fahren. So konnten wir den Gestank so richtig auskosten.

Der Bus quietschte und klapperte bei der Fahrt über die schlaglochübersäte Straße. Die Schiebefenster vibrierten in unregelmäßigen Takt und ich musste mich festhalten um nicht mit dem Kopf den das Fenster oder die Vordersitze zu schlagen. Meine Tasche neben mir hüpfte auf und ab und näherte sich immer wieder aufs neue der Sitzkante. So zog ich sie alle paar Minuten wieder ein Stückchen näher an mich heran.

Je näher wir der Stadt Mombasa kommen, desto mehr Menschen sind unterwegs. Inzwischen war es hell und ich konnte die verschiedenen Verkaufsstände erkennen, die entlang der Straße aufgebaut waren. Kleidungsstücke flatterten im Wind, auf dem Boden waren -zig verschiedenen Schuhe fein säuberlich aufgereiht – kein Paar glich dem anderen.

Tomaten, Mandarinen, Passionsfrüchte und Kartoffeln lagen zu kleinen Türmchen gestapelt auf Sisalmatten, daneben türmen sich Bananen, Mangos, Papayas und Ananas. Frauen saßen hinter ihrer Ware, viele haben ein Baby im Tragetuch auf dem Rücken hängen.

Das Hupen der Autos rundum wurde immer lauter, Radfahrer bahnten sich – ohne Rücksicht auf Verluste – ihren Weg durch den dichten Verkehr. Fußgänger überquerten die Straßen und wir wurden von unzähligen bunten Minibussen überholt. Die Musik in den Bussen musste ohrenbetäubend sein – das wummern der Bässe spürte selbst ich noch, wenn sie an uns vorbei fuhren. Noch dazu waren in einigen Bussen flackernde Diskolichter angebracht. Die Menschen saßen dicht an dicht, aus den Fenstern hingen Arme, Beine, Hintern und Köpfe – um im inneren Platz für noch mehr Mitfahrer zu schaffen.

Der Blick durch das Busfenster war wie der Blick in eine andere Welt – eine surrealer Moment, bei dem ich das Gefühl hatte, mich kneifen zu müssen um festzustellen, ob ich auch wirklich hier war.

Ich fragte mich unwillkürlich, wohin all diese Menschen auf dem Weg sind. Wo sie wohl arbeiten und wie lange ihr Weg zu Arbeit war.

Ankunft im tropischen Paradies

Die Sonne ging auf und es wurde immer heißer. Nach etwas einer halben Stunde fuhr der Bus plötzlich langsamer und bog schließlich nach rechts in eine schmale Straße. Der Strom an Fußgängern entlang der Straße riss auch hier nicht ab. Die schmale Straße war zu beiden Seiten von hohen Gräsern, Gestrüpp und Palmen gesäumt. Plötzlich hielt der Bus an. Eine Schranke versperrte den Weg. Ein uniformierter Wächter sprintete aus einem Häuschen nebenan, öffnete die schwarzweiß gestreifte Schranke und salutierte als wir vorbeifuhren. Er strahlte und rief uns fröhlich “Jambo!” zu – das Swaheli-Wort für “Hallo!”.

Mit dem Durchfahren der Schranke gelangten wir in eine völlig andere Welt. Leuchtend bunte Bougainvillea wachsen zu beiden Seiten der Straße. Pink, orange, weiß, lila – ein üppiges Meer aus bunten Blumen. Dazwischen Palmen und unzählige Pflanzen, die ich eigentlich von daheim als Zimmerpflanze kannte. Nur dass sie hier meterhoch wuchsen.

Wir bogen noch einmal nach rechts ab und ein Park mit mehreren Seen, dazwischen Tennisplätze und ein Volleyballfeld, kamen zum Vorschein. Dann hielt der Bus vor einem Hotel an. Die Bustüren wurden geöffnet und mir schlugen wilde Trommelklänge entgegen. Ich stieg aus und hatte das Gefühl in einem Kinofilm über Afrika angekommen zu sein. Alles schien so unwirklich.

Ein Kellner reichte mir ein, mit Blumen dekoriertes, Glas mit einem orangefarbenen Saft. Während ich daran nippte betrat ich die Hotelhalle. Sie war zu allen Seiten offen und wurde von einem riesigen, mit Palmblättern bedeckten, Dach überspannt. Die beeindruckende Holzkonstruktion war mehrere Meter hoch. Von den Balken hingen Lampen herab, die sanft im Wind schaukelten. Der Saft entpuppte sich als kühler Passionsfruchtsaft – eine willkommene Erfrischung. Ich fühlte mich müde, staubig und verschwitzt und lechzte nach einer Dusche.

An der Rezeption erhielt ich nicht nur meinen Schlüssel, sondern auch die Nachricht, dass mein Gespräch noch an diesem Vormittag stattfinden sollte. Näheres würde man mir noch mitteilen. Ein Mitarbeiter zeigte mir den Weg zu meinem Zimmer, das sich in der ersten Etage befand. Das Hotel bestand aus mehreren Gebäuden, keines höher als zwei Etagen und damit ungefähr so hoch wie die Kokospalmen, die im ganzen Garten verteilt wuchsen. Von meinem Balkon konnte ich den tropischen Garten mit dem Pool sehen und auf der anderen Seite das Meer erahnen.

Schnell öffnete ich meinen Koffer, schnappte das Duschgel und hüpfte unter die Dusche. Das Wasser war lauwarm und es tat gut, den Staub von der Reise abzuwaschen. Langsam ließ ich mir das Wasser über den Kopf rinnen und stellte fest, dass es salzig schmeckte.

Dann stand ich etwas ratlos vor meinem Koffer – was um Himmels Willen sollte ich anziehen. Die mitgebrachten “schicken” Klamotten, die ich für das Vorstellungsgespräch eingepackt hatte, entpuppten sich vor Ort als viel zu warm. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass alle Klamotten, die ich dabei hatte, nicht unbedingt tropengeeignet waren. Ich entschied mich für ein enges Shirt mit rotem Blumenmuster und schwarze weite Flatterhosen.

An Schlaf war jetzt nicht zu denken – ich war viel zu aufgeregt. So ging ich erst einmal frühstücken. Das Buffet war fantastisch – eine Mischung aus reichhaltigem englischen Frühstück, Bratkartoffeln, Bohnen in Tomatensoße, verschieden zubereiteten Eiern, Würstchen und tropischen Früchten. Dazu Müsli, Käse und Schinken, Tomaten, Gurken und verschiedene Säfte. Die Butter schwamm in einer Wasserschale. Kaffee, Tee und Toast wurden am Tisch serviert. Obwohl ich hungrig war, bekam ich kaum einen Bissen hinunter – ich war viel zu aufgeregt.

Anschließend ging ich an der Rezeption vorbei um zu hören, ob es schon Neuigkeiten gab. “Noch nichts. Aber ich frage mal nach. Setzen Sie sich doch so lange”, sagte der Rezeptionist und deutete auf eine Sitzgruppe in der Nähe. Ich nahm Platz und beobachtete das geschäftige Treiben in der Lobby. Fast alle Sitzgruppen waren besetzt. Alle paar Minuten hielt ein Bus vor dem Eingang und holte Gäste, vermutlich für Ausflüge, ab. Aus einem Lastwagen wurden zahlreiche Koffer ausgeladen und fein säuberlich in der Halle aufgereiht. Ein Mitarbeiter glich die Namen auf den Koffern mit einer Liste ab und markierte sie mit der passenden Zimmernummer. Dann wurden die Koffer zu den Zimmern gebracht.

“Hallo Madame!” – der Rezeptionist winkte wild um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. “Sie werden erwartet! Gehen Sie einfach hier hinaus und dann nach rechts zu dem Gebäude in der Mitte. Melden Sie sich dort am Empfang!” Ich sprang auf – und hörte hinter mir noch “Viel Glück!” – ich drehte mich um und musste schmunzeln. Der Rezeptionist stand mit einem breiten Lachen hinter dem Tresen und reckte beide Daumen in die Luft. Ich bedankte mich und machte mich auf den Weg.

Vorbei an mehreren Wächtern, die mich alle mit einem fröhlichen “Jambo” begrüßten, gelangte ich zum Empfang der Hauptverwaltung. Von dort wurde ich zum Büro des Direktors geleitet.  Er erklärte mir, dass die Vorstellungsgespräche immer in Kenia stattfinden. “Wie könnte man sonst einschätzen, ob man in einem Land leben und arbeiten kann, das man gar nicht kennt”, meinte er. “Sprechen sie so viel es geht mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Fragen sie vor allem nach den negativen Seiten des Lebens und Arbeitens hier, denn das ist wichtig für Sie, um einzuschätzen, ob sie den Job wirklich antreten möchten. Die schönen Seiten sehen Sie auch im Katalog – aber Sie werden ja hier arbeiten und nicht Urlaub machen, deshalb ist es wichtig, mit den Menschen hier vor Ort zu reden.”

Das Gespräch war sehr freundlich und angenehm. “Melden Sie sich, wenn Sie wieder daheim sind, ob Sich vorstellen können, hier zu arbeiten,” sagte er zum Abschied. “Ich würde mich freuen, wenn wir uns hier wiedersehen.”

Ja, die negativen Seiten zu erforschen war wirklich ein wichtiger Punkt – und das in der Kürze der Zeit…

 

Fortsetzung folgt…

 

Doch vorher würde mich euer Feedback interessieren – wollt ihr überhaupt mehr darüber lesen? Was interessiert euch besonders? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Blick auf den Kilimanjaro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Kommentare

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Nicole 29. März 2020 - 17:17

Ich freu mich schon auf deine Fortsetzung und bin gespannt wie es weiter geht.
Den Mut hätte ich nie gehabt , das ist echt bewundernswert.
Liebe Grüße
Nicole

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Antje Gerstenecker 30. März 2020 - 20:46

Liebe Nicole,

vielen Dank für dein Feedback und die Ermunterung, weiter zu machen. Ich muss gestehen, dass ich damals manchmal über meinen eigenen Mut erschrocken bin. Rückwirkend betrachtet war es die richtige Entscheidung – doch das weiß man ja vorher leider nicht…

Liebe Grüße
Antje

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Susanne Hermann 29. März 2020 - 20:17

Sehr interessant. Auf jeden Fall weiter schreiben!
LG Susanne

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Antje Gerstenecker 30. März 2020 - 20:47

Liebe Susanne,

vielen Dank für deine Rückmeldung – das ist sehr wichtig für mich. 🙂

Liebe Grüße
Antje

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Ellen 30. März 2020 - 08:26

Antje! JA BITTE – schreib weiter. Endlich komm ich wieder in den Genuss, deine Geschichte nochmals “hautnah” miterleben zu dürfen. Es ist schon soooo lange her. Ich bin so was von dabei auf deinen Reisen. IMMER! Und bei dieser ganz besonders gerne. Sag war Key West vorher? Ja oder? Wie dem auch sei, BITTE schreib weiter… Das nährt gerade meine “Sehnsucht” auf meinem inneren Reisepfad durch das Leben. Gerade jetzt.
Lass uns gemeinsam am Lagerfeuer des Abenteuers sitzen. Ich freu mich soo.
Hab es wunderbar und dass es dir und deiner Familie einfach gut geht – in Tagen wie diesen.
Alles LIEBE derweil von der Alm
Ellen

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Antje Gerstenecker 30. März 2020 - 20:49

Liebe Ellen,

vielen Dank für deine Nachricht und für die Ermunterung weiter zu schreiben. Wir sind schon viel zu lange nicht mehr gemeinsam am Lagerfeuer gesessen. Ich mag die Vorstellung aber sehr! Auf welcher Alm bist du denn – ich habe das Gefühl, an deinem Lagerfeuer zu sitzen wäre auch sehr spannend!

Liebe Grüße
Antje

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Ines 30. März 2020 - 13:23

Super spannend, vor allem rückblickend in eine Zeit des nicht-allles-schon-vorher-aus-dem-Internet-wissen. War eben enttäuscht, dass die ganze Geschichte noch nicht zu lesen ist.

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Antje Gerstenecker 30. März 2020 - 20:50

Liebe Ines,

vielen Dank für dein Feedback. Ja, die Zeit war ganz anders und vielleicht viel spannender als heute, eben weil wir nicht vorher alles wussten. Es tut mir leid, dass ich zu viel Vorfreude geweckt habe – aber ich schreibe weiter… versprochen 🙂

Liebe Grüße
Antje

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Bernd Rausenberger 25. September 2020 - 15:05

Hallo Antje,
ich bin seit längerer Zeit wieder mal auf Deinen Seiten gelandet und habe Den ersten Teil Deiner Mama Suzuki entdeckt. Ich würde mich auch wirklich über Fortsetzungen Deiner Erinnerungen freuen. Ich war ja 2018 mit meiner Familie in Kenia und wir wollten dieses Jahr wieder gehen. Meine Tochter hat auch das Kenia-Fieber gepackt. Wie schön 🙂 Leider hat uns das Corona Virus einen Strich durch die Rechnung gemacht und der Urlaub wurde gecancelt. Ich hoffe, daß es bald wieder aufwärts geht. Gerade für Kenia ist das eine doppelte Katastrophe. Also, bitte bitte weiter schreiben!
Liebe Grüße

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